Asynchrone Kommunikation im Remote Team: Schach statt Ping-Pong

Inhalt

  1. Was ist das?
  2. Spezialfall Messenger: Synchron oder asynchron?
  3. Welche Kommunikationsart ist besser?
  4. Was funktioniert für Euch?

Wie kommuniziert man mit Personen, die nicht am selben Ort sind? Das ist eine essentielle Frage für jedes Remote Team. Eine mögliche Antwort ist natürlich: Per Video-Call (zum Beispiel mit Jitsi) oder Telefon. Zu den populären Antworten zählen im Arbeitskontext aber beispielsweise auch Slack oder MS Teams. Diese Plattformen erlauben - genauso wie im privaten Bereich Smartphone-Messenger wie z.B. Telegram - sogenanntes „Direct Messaging“. Das bedeutet, dass ich den Status der anderen Teilnehmer*innen sehe und die Nachrichten möglichst in Echtzeit zugestellt werden.

Im Kontrast zu den bisherigen Kommunikationsmethoden steht zum Beispiel das Versenden von Briefen (auch wenn wir frech davon ausgehen, dass das für Remote Teams kein besonders wichtiges Kommunikationsmedium ist). In dieselbe Kategorie fällt aber auch die klassische E-Mail, ein Paradebeispiel für asynchrone Kommunikation. Warum? Weil das Medium nicht live ist.

Und das ist auch schon alles, was den Unterschied zwischen synchroner und asynchroner Kommunikation ausmacht: Findet die Kommunikation live statt wie bei einem Video-Call, dann spricht man von synchronem Austausch. Findet die Kommunikation hingegen zeitversetzt statt wie beim Versenden von E-Mails, dann handelt es sich um einen asynchronen Austausch.

Gerade haben wir Messenger im Kontrast zur E-Mail als synchrones Kommunikationsmittel vorgestellt. Das haben wir gemacht, weil die Kommunikation über Slack im Arbeitsalltag häufig (nahezu) live stattfindet. Tatsächlich ist es aber so, dass Messenger die Welten der synchronen und asynchronen Kommunikation fließend verbinden: Man kann dem*der Kolleg*in eine asynchrone Nachricht schreiben, während diese*r offline ist. Wenn man dann eine Antwort erhält und die Konversation sofort weiterführt, wenn die Person zurück ist, wird daraus ein synchrones Gespräch.

Unserer Erfahrung nach ist es gesünder für ein Team, ein Messenger-Medium wie Slack als „asynchron“ einzustufen. Dadurch gibt es keine Erwartungshaltung, dass jemand sofort auf eine Nachricht antworten muss und der Stress in Richtung dauerhafter Verfügbarkeit wird minimiert. Kein*e Arbeitnehmer*in sollte sich den Unternehmens-Messengerdienst auf das Handy installieren müssen, weil er*sie das Gefühl hat, immer erreichbar sein zu müssen.

Es wäre jetzt schön zu sagen, dass es eine bessere Art der Kommunikation gibt, aber das hängt von vielen Faktoren ab - nicht zuletzt von den Personen, die kommunizieren. Die nächsten Zeilen sind unsere Erfahrungen - aber das kann für Euer Team anders besser funktionieren.

Hier punktet die synchrone Kommunikation…

Bei unklaren Ergebnissen, emotionalen Themen oder einfach, weil man die Kolleg*innen gerne sieht: Hier steht bei uns die synchrone Kommunikation klar im Vordergrund.

In direkten Gesprächen ergeben sich bisweilen Dinge, die asynchron nicht aufgefallen wären. Beispielsweise erinnert man sich daran, ein kleines Detail zu klären, oder spricht über einen späteren Termin - den manche*r womöglich nicht in den eigenen Kalender eingetragen hatte.

Um den Verlust dieser Momente beim Remote Arbeiten zu vermeiden, strukturieren wir unsere Weeklys und Dailys so, dass diese gefördert werden und einen Raum bekommen.

Brainstorming zu Ideen ist auch eine Art von Meeting, die am besten funktioniert, wenn man „gemeinsam am Tisch“ sitzt. Ich denke hier besonders an unsere Marketing-Meetings, bei denen wir herzlich über zahlreiche Ideen lachen, die nie das Licht der Welt erblicken.

Zudem habe ich persönlich als Entwickler die Erfahrung gemacht, dass es oftmals viel einfacher ist, ein Problem zu zeigen anstatt es zu tippen - da springe ich gerne kurz in einen Call.

… und hier können sich die Nachrichten langsam bewegen

Ich mache es mir jetzt einfach und sage: Bei allem anderen. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen der Übergang von asynchron zu synchron in Slack ein Mehrwert ist, aber es gibt Dinge, die ich per E-Mail bevorzuge (die Gehaltsabrechnung brauche ich nun wahrlich nicht im persönlichem Gespräch erhalten).

Den Vorteil der asynchronen Kommunikation haben nicht die Inhalte - ich könnte fast alles auch live machen - sondern Ihr. Denn auf einmal könnt Ihr Euch Zeit für Kommunikation nehmen - oder eben auch nicht. Anstatt zu reagieren, könnt Ihr Euch auf Eure momentane Aufgabe konzentrieren und dann zeitliche Blöcke für das Beantworten der asynchronen Nachrichten einplanen.

Ein guter Weg, um zu testen, wie Ihr am liebsten kommuniziert, ist: Einfach mal machen.

Möchtet Ihr mehr asynchron arbeiten? Schaltet für eine Zeit lang Eure Benachrichtigungen aus und richtet Euch Termin-Erinnerungen für das Überprüfen Eurer verschiedenen Postfächer ein.

Oder möchtet Ihr Eure Kolleg*innen öfter treffen? Packt Eure Gespräche in 15-Minuten-Häppchen mit klar definiertem Ziel und bittet Eure Kolleg*innen zu einem Video-Call dafür. Das Planen des Gesprächs nimmt dabei Rücksicht darauf, falls Euer Gegenüber sich lieber feste Zeiten für die Kommunikation nimmt.