Reisebericht: Auf dem Weg zur Teal OrganizationTeil 3/4

"Die Suche nach Ganzheit" ist ein Teil der Teal Organization-Theorie, der leicht esoterisch klingt und nicht so einfach greifbar ist wie die Selbstorganisation. Er ist aber mindestens genauso wichtig und macht einen großen Teil unseres Erfolges aus. Mit Erfolg meine ich nicht nur die wirtschaftlichen Zahlen, sondern auch die Freude, die wir bei der Arbeit haben.

Ganzheit lässt sich vielleicht am besten anhand eines Zitates erklären. Karl, der neu im Team ist, hat es so ausgedrückt: "Mir ist schnell klar geworden: Bei /gh bin ich nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Mensch - die Unternehmenskultur erlaubt es jedem, sich zu entfalten. Neben den spannenden Projekten kann ich mich so auch persönlich weiter entwicklen".

Ganzheit bedeutet, dass wir darauf Wert legen, den gesamten Menschen im Arbeitsalltag zu integrieren, mit all seinen Gefühlen und Bedürfnissen und den daraus resultierenden Zweifeln, Launen und Widersprüchen. Im Gegensatz dazu wird in orangenen, leistungsorientierten Unternehmen nur der leistende, rationale Teil des Menschen wertgeschätzt. Dies führt dazu, dass Mitarbeitende eine "professionelle Maske" tragen und die anderen Teile ihres Selbst verstecken müssen. Das kostet nicht nur unnötig Energie, sondern lässt einen wichtigen Teil unserer menschlichen Intelligenz außer Acht.

Ich dachte zunächst, dass wir bei diesem Teil noch nicht so weit entwickelt sind. Bei näherem Hinsehen jedoch sind mir einige Eigenschaften unserer Firmenkultur aufgefallen, die unter diese Kategorie fallen. Diese möchte ich nun kurz beschreiben.

Inhalt:

  1. Werte
  2. Kudosrunde
  3. Gewaltfreie Kommunikation
  4. Safe Space
  5. Retrospektiven
  6. Wie geht es weiter

Die Werte gehören eigentlich zum grünen Teil unserer Organisation und wir arbeiten damit schon seit Jahren. Ich möchte sie hier aber trotzdem erwähnen, weil die Werte ein wichtiger Wegweiser auf der Suche nach Ganzheit sein können.

Unsere gemeinsamen Werte haben wir mit der Übung "Mountains and Valleys" herausgefunden.

Was uns wichtig ist:

  • Freude an der Arbeit
  • Wertschätzung
  • Selbstbestimmtheit
  • Gegenseitiges Vertrauen

Wie wir uns verhalten wollen:

  • Vereinfachen
  • Teilen
  • Lernen
  • Fehler zu machen
  • Offen sein für Neues

Diese Werte hängen in unserem Büro nicht nur an der Wand, sondern kommen häufig bei Entscheidungen zum Einsatz und haben uns schon oft geholfen, den richtigen Weg zu finden.

Alle drei Wochen treffen wir uns im gesamten Team zu einem "Meta-Meeting". Das Meeting beginnt immer mit einer Kudosrunde, in der jede*r Wertschätzung gegenüber den Kolleg*innen zum Ausdruck bringen kann. Es geht nicht darum zu "loben", sondern mitzuteilen, was andere getan haben, das mir oder dem Team geholfen hat. Das ist eine wichtige Rückmeldung, weil wir dadurch lernen, wie wir uns gegenseitig bereichern können.

Für mich sind das die besten zehn Minuten. Ich bin immer wieder aufs Neue überwältigt, wenn ich höre, wie sich das Team gegenseitig unterstützt und wie viel positive Energie das freisetzt.

Die Gewaltfreie Kommunikation wird immer populärer im beruflichen Umfeld. Das wundert mich nicht, denn richtig angewendet kann ihr Einsatz sehr effektiv sein. Für uns ist sie aber mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Sie ist zu einer Grundhaltung geworden, die unseren Umgang untereinander und die Beziehung zu unseren Kunden tiefgreifend verändert.

In der Gewaltfreien Kommunikation gehen wir davon aus, dass all unser Handeln auf die Erfüllung von Bedürfnissen ausgerichtet ist. Meistens wenden wir dazu unbewusst Strategien an, um die Welt so zu manipulieren, damit unsere Bedürfnisse bestmöglich erfüllt werden. Diese Strategien sind oft ineffektiv und richten nicht selten großen Schaden an.

Gehen wir aber davon aus, dass jeder Mensch gerne bereit ist, etwas für einen anderen Menschen zu tun, sofern die Anfrage als Bitte formuliert ist und nicht als Forderung, so können wir uns die ganzen Strategien sparen und stattdessen einfach lernen, zu fragen. Das ist meist viel unkomplizierter und freudvoller. Diese Art der Kommunikation braucht jedoch auch viel Übung und Umdenken. Um uns in diesem Bereich weiterzuentwickeln, haben wir seit Kurzem eine Beraterin engagiert, die uns dabei hilft, unsere Kommunikation zu verbessern und Konflikte zu lösen.

Wenn wir gewaltfrei kommunizieren, kann ein "Safe Space" entstehen. Der Safe Space ist ein Raum, in dem wir alles sagen können, ohne Angst haben zu müssen, von anderen verurteilt zu werden. Dies ist die Grundvoraussetzung, um unsere professionellen Masken absetzen zu können, die in vielen Unternehmen auch zum Schutz getragen werden, denn häufig wird der Arbeitsalltag als "Kampf" empfunden.

Retrospektiven und der Safe Space sind eine starke Kombination. Retrospektiven kennen wir aus Scrum, dem Framework für agile Softwareentwicklung, das wir schon seit einigen Jahren bei größeren Projekten einsetzen. In einer Retrospektive nehmen wir uns Zeit, darüber zu reflektieren, wie der Prozess lief und was wir verbessern können. Wichtig dabei ist die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen und sie nicht persönlich zu nehmen. Das fällt natürlich leichter, wenn ich für meine Fehler im Safe Space nicht verurteilt werde. Aufgezeigte Fehler sind vielmehr als Geschenke zu verstehen, an denen wir wachsen können.

Wir haben noch viele weitere Ideen zum Thema Ganzheit, die wir noch nicht umgesetzt haben. So wollen wir beispielsweise ein Peer-Mentoring-Programm einführen, bei dem sich Mitarbeitende gegenseitig beraten und darin unterstützen, zu wachsen. Wenn ihr auch Ideen habt, wie wir Ganzheit bei der Arbeit finden können, oder Beispiele aus eurer Firmenkultur kennt, die dazu beitragen, lasst es uns auf Twitter wissen oder sendet uns eine Mail.


Wenn Dich dieser Artikel interessiert hat, dann schau doch mal auf dem englischsprachigen Blog tealminded.com von Daniel Heitz vorbei! Dort findest Du diesen und weitere Artikel zum Thema Teal Management und Teal Organization.