Teal und Remote: Wie wir Gegensätze in Einklang bringen

Teal Management und Remote Work: Zwei Modelle, die unsere Arbeitsweise prägen und unser Unternehmen inspirieren. Befasst man sich mit den klassischen Merkmalen, die Teal als Unternehmenssystem und Remote als Arbeitsmanier definieren, zeigen sich zwischen den beiden jedoch nur wenig Berührungspunkte. Eigentlich sind diese sogar so unterschiedlich, dass sie nur schwer vereinbar sind. Welche Unterschiede es gibt, wie wir die Gegensätzlichkeit der beiden Modelle überwinden, möglichen Spannungen vorbeugen und uns ihre Stärken zu Nutze machen, erklären wir hier.

Inhalt:

  1. Teal und Remote: Stärken und Gegensätze
  2. Die Chance: Teal und Remote vereinen
  3. Teal und Remote: Lebenslanges Lernen

Teal und Remote beeinflussen unseren Unternehmensweg seit Jahren. Denn beide Konzepte haben bedeutsame Stärken, die unsere Arbeit bereichern und unsere Werte lebbar machen: Teal betont unser Bedürfnis nach gleichberechtigten und teambasierten Unternehmensprozessen, während Remote unsere Autonomie und Unabhängigkeit als Einzelpersonen sichert. Doch im Grunde vereinen wir damit zwei Konzepte, deren arbeitsbezogene Prinzipien widersprüchlich sind.

Denn auch wenn uns Teal beim Aufbau eines selbstorganisierten Unternehmens hilft, basiert eine erfolgreiche Teal-Organisation auf engmaschiger Interaktion innerhalb des Teams, was das durch Remote geförderte, unabhängige Arbeiten für Einzelne erschweren kann. Und während Remote eigenständiges Arbeiten verspricht, begünstigen individuelle Arbeitsprozesse einen schwachen Wissensaustausch sowie Teamworkprobleme. So betrachtet stehen sich die Leitideen von Teal Management und Remote Work als unvereinbare Kontrastprogramme gegenüber.

Anstatt unsere Bedürfnisse jedoch an die Vorgaben von Teal und Remote anzupassen, passen wir die beiden Modelle an unsere internen Unternehmensanforderungen an. Wenn sich herausstellt, dass es an manchen Stellen kneift verbessern wir in Feinarbeit unsere Prozesse, bis wir eine Lösung gefunden haben. In dieser kontinuierlichen Anpassungsschleife haben wir einige Kontrastpunkte aufgearbeitet und grundlegende Gegensätze von Teal und Remote überwunden.

a) Kommunikation und digitales Teambuilding

Teal-Unternehmen mit einem remote arbeitenden Team haben häufig zwei Hauptschwierigkeiten zu überwinden: Zum einen kann es in diesem Arrangement mühsam sein, die von Teal geforderte engmaschige Kommunikation im Team aufrechtzuerhalten, wenn dieses unabhängig voneinander arbeitet. Zum anderen können Teambuilding-Maßnahmen im, durch remote individualisierten, Arbeitsalltag untergehen, sodass die soziale Vernetzung innerhalb des Teams leidet.

Um auf solche potentielle Verständigungsschwächen auf Unternehmens- und Individualbasis gefasst zu sein, investieren wir viel Zeit. In den letzten Jahren entwickelten wir so verschiedene Strategien, die zu einem regelmäßigen und harmonischen Austausch anregen. Hierbei halfen uns Kommunikationstrainings, aber auch die Orientierung an der Teal-Philosophie.

Tealgerechte Kommunikation

Damit die von Teal inspirierten, gleichberechtigten Unternehmensprozesse auch in unserem asynchron agierenden Team Zeit und Raum finden, haben wir zwei verschiedene Abläufe für Entscheidungsmöglichkeiten definiert. Beide erfordern, dass von der angestrebten Veränderung betroffene Teammitglieder in den Entscheidungsprozess eingebunden werden und durch den Einbezug der Expertise von Sachverständigen das bestmögliche Ergebnis herausgeholt wird. Auf diese Weise werden personenübergreifende Entscheidungen erst dann getroffen, wenn davon berührte Teammitglieder der Veränderung zustimmen. Gleichzeitig bekommen wir alle eine gleichberechtigte Chance unsere Gedanken zu den möglichen Anpassungen zu äußeren, sie zu verbessern oder auszubremsen, und das unabhängig von unseren Arbeitszeiten.

Remotegerechte Kommunikation

Für eine remotegerechte Arbeitsweise empfinden wir es als hilfreich, wenn im Team ein offener Autausch über unsere jeweiligen Anwesenheitszeiten stattfindet. Denn jede*r hat bevorzugte Arbeitszeiten, die für das Team festgehalten werden können. Selbst wenn diese Angaben eine Schätzung darstellen, ist es auf diese Weise für alle einfacher, die asynchrone Kommunikation planbar zu machen, ohne dem einzelnen Teammitglied Flexibilität zu nehmen.

Und wenn die eigene Anwesenheit zu den angegebenen Zeiten doch nicht garantiert werden kann, ist eine kurze Nachricht an das Team ausreichend. Die Hauptsache ist, dass wir für die Anderen Verständnis zeigen. Mit Empathie und Planung lässt es sich demnach auch in einem Teal-Unternehmen gut remote arbeiten.

Digitales Teambuilding

Um trotz der geographischen Distanz, die unsere Laptops voneinander trennt, auch außerhalb der Arbeitszeiten miteinander in Verbindung zu treten, suchen wir regelmäßig nach Möglichkeiten, um uns auch privat auszutauschen. Denn der Nachteil eines remote arbeitenden Teams ist, dass spontane und vernetzende Treffen am Wasserspender im Vergleich zum gewöhnlichen Büroalltag verloren gehen.

Wo wir uns zu diesem Zweck normalerweise einmal jährlich bei unserem Workcamp physisch getroffen haben, mussten wir in diesem Jahr auf digitale Alternativen ausweichen. Unter anderem haben wir den "gebrüderheitz-Lunch" eingeführt, bei dem, wer Lust hat, sich einmal wöchentlich zu einer geplanten Uhrzeit virtull zusammensetzen kann, um gemeinsam eine Mittagspause zu machen. Außerdem haben wir einen Chat geöffnet, in dem der persönliche Austausch über arbeitsunabhängige Dinge Platz findet. Erst kürzlich erweiterte ein Buchclub diese digitalen Teambuilding-Optionen. In dieser Form können auch andere Interessensgruppen geformt werden und sich zu Plattformen für privatere, teaminterne Zusammenkommen entwickeln.

Und obwohl kein digitaler Club ein persönliches Treffen perfekt ersetzen kann, sind wir dennoch froh über die Optionen, die uns Gespräche abseits von Arbeitsthemen ermöglichen. Zudem bieten uns diese nun auch im Laufe des Jahres die Gelegenheit, uns regelmäßig auszutauschen und so noch mehr zusammenzuwachsen.

Kommunikationsdauerbrenner

Immer wichtig ist aber, aufgeschlossen, aufrichtig und aufnahmebereit in Gespräche zu gehen. Denn wenn wir mit einer solchen Offenheit  anderen Menschen gegenübertreten, ist der optimale Raum für positiven und produktiven Austausch geschaffen.

b) Kollektiv vs. Individuum

In einem Teal-Unternehmen, in dem auf die Autonomie der einzelnen Teammitglieder Wert gelegt wird, muss häufig zwischen dem Wohl des Kollektivs und dem des Individuums balanciert werden. Während Teal den Fokus auf teambasierte, autonom arbeitende Netzwerke gelegt zu haben scheint, steht bei der klassischen Definition der Remote Work zunächst das Individuum und seine Flexibilität im Mittelpunkt. Beide Seiten lassen sich aber mit Empathie und durch Orientierung an Teal in Einklang bringen.

Eine Teal-Perspektive

Die Philosophie hinter Teal regt Unternehmen dazu an, vertrauensvolle Beziehungen zwischen den Mitarbeitenden aufzubauen und Einzelnen zu ermöglichen, in ihrer authentischen Gesamtheit bei der Arbeit zu sein. Auf diese Weise könnten Teams enger zusammenfinden, während die Hingabe, das Engagement und das Vertrauen mit Hinblick auf die harmonischen Arbeitsbeziehungen wachsen. In diesem Sinne hat das Einbringen der eigenen Individualität in den Arbeitskontext nicht nur Vorteile für das jeweilige Teammitglied selbst, sondern auch für das Kollektiv.

In Einklang bringen

Doch auch mit der idealsten Grundeinstellung können im Arbeitsalltag Spannungen entstehen. Um diese zu lösen, treffen wir uns in regelmäßigen Abständen, tauschen uns aus und erarbeiten, falls notwendig, spezifische Lösungsstrategien. Auf diese Weise können Spannungen frühzeitig erkannt und bearbeitet werden, bevor sie zu Verspannungen werden können. Wichtig ist in einem solchen Fall für uns, offen und transparent über diese zu sprechen und auf diese aufmerksam zu machen, bis sie behoben sind. Und dass enauso bei firmeninternen Spannungen als auch bei solchen, die auf zwischenmenschlicher Ebene auftreten.

"Alles kann, nichts muss" oder "Was nicht passt, wird passend gemacht" - es gibt so viele Lebensweisheiten die zusammenfassen, was wir viel zu häufig vergessen:

Wir sind Menschen, keine Maschinen. Es ist okay, Fehler zu machen. Es ist okay, sich umzuentscheiden. Es ist okay, schwache Momente zu haben. Denn wir haben die Möglichkeit, aus diesen für die Zukunft zu lernen, weswegen wir sie umdefinieren und als Einladung zum Wachstum erkennen müssen.

Wir sind dafür gemacht, lebenslang dazuzulernen und uns unserer Umwelt ständig anzupassen. Genauso wie wir uns als Individuen verändern, wollen wir auch unsere Agentur flexibel gestalten. Wir lesen, sehen, lernen, übernehmen, legen ab und entwickeln uns weiter. Wir orientieren uns an verschiedenen Modellen, Ideen und Vorbildern und eignen uns an, was für uns als Organisation sinnvoll ist, bis wir uns wohlfühlen. Und dann geht das Lernen von vorne los.


Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, kannst du noch mehr Informationen in unserem Podcast finden!