Achtsamkeit bei der Arbeit

Uff - noch ein Buzzword? New Work, Teal Organization, Selbstorganisation - wie soll man sich da als Arbeitnehmende*r zurecht finden, ohne verrückt zu werden? Doch Achtsamkeit ist nicht so fremd, wie es erst scheinen mag.

Lassen wir für einen Moment die neue Arbeitswelt stehen und schauen wir uns an, wo sich das Thema Achtsamkeit bereits in unserem Alltag versteckt.

Inhalt:

  1. Die Achtsamkeitsübung, die jede*r kennt
  2. Jede*r profitiert von Achtsamkeit
  3. Es führen viele Wege nach Ommmmmmm
  4. Meine Geheimtipps für Achtsamkeit bei der Arbeit
  5. Fazit

Was hast Du in Deiner letzten Mittagspause gemacht? Auch wenn man sich hier unter anderem den körperlichen Bedürfnissen wie Hunger widmet, dient diese Unterbrechung der Arbeit auch der Entspannung unseres Gehirns. Wir lassen die Arbeit für eine bestimmte Zeit hinter uns und können über die Gedanken reflektieren, die uns beschäftigen. Vielleicht merke ich, dass meine Vorgesetzte mich heute nervt, oder dass ich über die Info der Gehaltserhöhung richtig glücklich bin.

Darum geht es bei Achtsamkeit: In sich zu blicken, um die Gedanken wahrzunehmen, zu verfolgen welche Gefühle sie auslösen, und sich dann die Zeit dafür zu nehmen, eine angemessene Reaktion zu finden.

Und auch wenn man es nicht Achtsamkeit nennt, so wachsen wir mit diesen Elementen auf: Schon im Kindergarten hat man Zeitabschnitte, die der Erholung dienen.

Kennst Du das? Du arbeitest seit Stunden an einem Problem, findest die Lösung nicht und am nächsten Tag hast Du innerhalb von 15 Minuten das fehlende Puzzleteil gefunden. So geht es vielen Entwickler*innen und vermutlich auch vielen anderen Personen in anderen Berufsgruppen.

Wenn wir üben, achtsamer mit den Phasen umzugehen, in denen wir uns sonst verlieren, können wir erkennen, dass wir Pausen benötigen. Das lässt nicht nur uns selber unnötige Frustration vermeiden, sondern wirkt sich auch auf positiv auf unsere Arbeit aus: Die Stunden, die normalerweise genutzt werden, um verzweifelt die Lösung zu finden, sind auf einmal für andere Aufgaben frei.

Es ist also nicht nur für unser persönliches Wohlbefinden wichtig, achtsam mit uns umzugehen. Wenn wir weniger Frust haben, dann wirkt sich das auch positiv auf unser soziales Umfeld aus. Ich erzähle beim Abendessen mit dem Partner viel lieber davon, wie schön die Arbeit ist, anstatt Frust mit in den Feierabend zu nehmen.

Doch wie schaffen wir es, im - teilweise sehr stressigen - Alltag achtsamer zu werden?

Wer sich mit Achtsamkeit beschäftigt, der wird schnell über Meditation stolpern. Und aus meiner Erfahrung heraus kann ich auch bestätigen, dass es regelmäßiges Meditieren einfacher macht, achtsam zu bleiben. Aber das hilft oft nichts in Situationen, die meine volle Konzentration benötigen. Es passiert mir oft, dass ich in der Arbeit versinke - das ist ja auch was gutes. Trotzdem braucht man auch für stundenlanges Arbeiten ein Framework, das einem erlaubt, achtsam zu bleiben.

Check-in beim Meeting

Achtsamkeit kann man nicht nur alleine erleben. Auch in der Gruppe kann man achtsam mit sich umgehen. Bei uns gibt es dafür bei größeren Meetings (zum Beispiel jeden Montag) einen Check-in, bei dem wir teilen, wie wir uns fühlen und wie wir präsent sind. Neben der Klarheit über den eigenen Zustand bekommt so jeder ein Gefühl für das Team. Oftmals werden hier der Gemütszustand und die aktuelle Auslastung angesprochen.

Achtsame Arbeitsmodelle

Das rollenbasierte, aber auch das spannungsbasierte Arbeiten in unserem Unternehmen erfordert von allen Teilnehmer*innen Achtsamkeit. Die Achtsamkeit, Spannungen wahrzunehmen, zum Beispiel - deswegen heißt der Ort, an dem wir die Spannungen bei uns sammeln, "Awareness Center". Oder die Achtsamkeit, eine Rolle einzunehmen und im Interesse dieser Rolle zu handeln - und gleichzeitig die Interessen anderer eigener Rollen so wahrzunehmen, als kämen sie von einer anderen Person.

Fokus

Jede*r von uns hat die eine oder andere Form von To-Do-Liste. Manchmal sogar mehrere (z.B. Github-Issues, Ticket-System, Organisations-Tool). Wenn man sich eine Übersicht über alle offenen Aufgaben macht, dann kann das nicht nur überwältigend sein. Auch den Fokus auf den nächsten wichtigen Task zu richten wird schwieriger. Um die Aufmerksamkeit auf diesen zu konzentrieren, gibt es viele Wege. Zum Beispiel:

  • ein Post-It an den Monitor (sollte dann aber das einzige sein)
  • Ein kleines Blatt Papier vor die Tastatur legen
  • Mit einem wasserlöslichem Stift die Tasse oder das Glas beschriften

Pomodoro

Wer nach Pomodoro arbeitet, der macht Pausen. Viele Pausen. Das klassische Modell sieht vor, dass man 25 Minuten arbeitet, und dann 5 Minuten Pause macht. Und wenn man das 4 mal gemacht hat, dann gibt es 20 Minuten Pause on top.

Ich persönlich arbeite nach folgendem Rhythmus:

  • 25 Minuten Arbeit
  • 5 Minuten Pause
  • 10 Minuten lange Pause

Die Zeiten haben sich bewährt: Ich kann mich um mich kümmern, durchatmen, aber bin nicht so lange von meiner Arbeit weg, als dass ich vergesse, wo ich war.

Dieses System erlaubt es mir, ohne langjährige Meditationspraxis, im Alltag achtsam mit mir umzugehen. Und ich merke immer wieder, dass ich wesentlich effizienter an den Tagen bin, an denen ich dieses System ununterbrochen einsetzen kann.

Achtsamkeit mag ein Trend sein, aber neu ist die Idee nicht. Jede*r hat, auch wenn unbewusst, schon mal mit klassischen Achtsamkeitsübungen gearbeitet. Neu ist allerdings, dass die New Work erlaubt, Achtsamkeit zwischendurch zu leben, während das traditionelle Arbeitsbild eher dazu führt, dass wir Achtsamkeit in Pausen und in den Feierabend verschieben.

Je achtsamer die Mitarbeitenden zu jedem Zeitpunkt jedoch sind, desto besser kann das Unternehmen laufen. Denn sowohl Arbeitgebende als auch Arbeitnehmende können die Vorteile des achtsamen Arbeitens auf vielen Ebenen - z.B. Prävention von Burnout, mehr Freude an der Arbeit - ausschöpfen.